Aktion OrbitHerzchen

Stiftung KinderHerz schickt kleines Kunstwerk
auf große Reise ins All

 

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst startete am 28. Mai 2014, um auf der ISS die Erde zu umrunden. Auch die Stiftung KinderHerz war mit dabei – zumindest symbolisch. Die renommierte Künstlerin Roswitha Steinkopf hatte für die Stiftung ein kleines Kunstwerk in Herzform erschaffen. Diese golfballgroße Skulptur trägt den Namen „OrbitHerzchen“ und nahm stellvertretend für all die jungen Herzpatienten am Abenteuer Raumfahrt teil.

Alexander Gersts Reise Begann um 21:57 Uhr. Von Baikonur, Kasachstan, aus ging es mit einem Sojus-Raumschiff Richtung Weltall. Knapp sechs Monate verbrachte er auf einer 400 Kilometer hohen Erdumlaufbahn. Am 12. August um 15.30 Uhr wurde auch das OrbitHerzchen vom Versorgungsschiff „ATV-5: Georges Lemaître“ an Bord der ISS gebracht, um ihn durchs All zu begleiten.

Das kleine Kunstwerk musste für seine Beteiligung an der Weltraum-Mission bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es besteht aus dem Hartschaum Polystyrol PS 20 SE, ist schwer entflammbar, etwa drei Gramm leicht und hat die Maße 4,8 x 4,5 x 2,8 cm. Aber das sind nur die physikalischen Eigenschaften. Durch seine halbjährige Reise durchs All wurde es „magisch aufgeladen“, wie Roswitha Steinkopf meint: „Das OrbitHerzchen nimmt etwas von dem Abenteuer mit zurück auf die Erde. Es ist dann nicht mehr nur ein Hartschaum-Herz, das eine Künstlerin gestaltet hat, sondern es wird eine Geschichte haben – eine ganz und gar außergewöhnliche, absolut einmalige Geschichte.“


Für die Gestaltung des Herzchens hat Frau Steinkopf zwei scheinbar gegensätzliche Motive gewählt. „Auf der einen Seite wollte ich ein stilles, poetisches Nachtbild; die andere sollte Helligkeit, Dynamik und Bewegung ausdrücken“, erklärt die gebürtige Kielerin. „Das Herz vereint somit das hoffnungsvolle Träumen von einer baldigen Genesung mit der kraftvollen Lebensfreude, welche durch die Erfolge der Kinderherz-Medizin wieder ermöglicht wird.“

Ein Begleiter für Alexander Gerst: Das OrbitHerzchen fliegt ins All

Mit der ungewöhnlichen Aktion „OrbitHerzchen“ machte die Stiftung KinderHerz – in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR – auf beachtliche Schnittmengen zwischen Weltraumtechnik und Kinderherz-Medizin aufmerksam. Zahlreiche Innovationen, die ursprünglich „nur“ die Reise ins All ermöglichen sollten, retten auf der Erde Menschenleben: Titanschrauben werden für Herzschrittmacher benötigt; „Babyanzüge“ helfen, den plötzlichen Herztod zu verhindern; nicht zuletzt bewirken winzige Schirmchen aus NiTinol-Legierungen, dass Löcher in Kinderherzen minimalinversiv verschlossen werden.

NiTinol, eine Mischung aus Nickel und Titan, besitzt ein eigenes Formgedächtnis. Die NASA verwendete es erstmals, um daraus Satelliten-Bauteile zu formen. Sie werden kompakt gefaltet und in den Weltraum geschickt, wo sie sich selbständig entfalten und schließlich ihren ursprünglichen Zustand wieder einnehmen. Dieses Prinzip wenden Herzmediziner auch im ungleich kleineren Maßstab an: Früher mussten bei Löchern zwischen den Herzscheidewänden riskante Operationen am offenen Herzen durchgeführt werden. Nun führt man winzige NiTinol-Schirmchen per Katheder zum Herzen, um das Loch präzise zu verschließen – behutsam und sicher. Das Berliner Herzzentrum leistet in Bezug auf diese Methode Pionierarbeit. 1.800 Patienten wurden hier bereits erfolgreich behandelt. Und die Entwicklung wird kontinuierlich verbessert.

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Aus dem All ins Kinderherz: Lebensrettende Raumfahrt-Technik

So gibt es zahlreiche verblüffende Beispiele für die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Wissenschaften. Sylvia Paul, Vorstand der Stiftung KinderHerz: „Die Kinderherz-Medizin – und damit unzählige kleine Herzpatienten – haben der Forschung und den Innovationen der Raumfahrttechnik viel zu verdanken. Dass es jährlich etwa 7.000 herzkranke Kinder gibt, wissen nach wie vor viel zu wenige Menschen. Daher sind wir der DLR für die großartige Chance dankbar, unsere Arbeit im Rahmen dieser Aktion bekannter zu machen. Teil dieses Abenteuers sein zu dürfen, ist ein fantastisches Geschenk der DLR. Und umso tiefer fühlen wir uns der Mission verbunden.“

 

Am 10. November 2014 um 4:58 Uhr - nach fast sechs erfolgreichen Monaten - setzten Alexander Gerst und seine Kollegen Surajew und Wiseman wieder in Kasachstan auf.

 

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