Aktiv aus der Abwärtsspirale

 

Kinder haben einen instinktiven Bewegungsdrang. Wo sich eine Gelegenheit bietet, rennen, klettern, balancieren sie oder testen ihre Geschicklichkeit. So erweitern sie nach und nach ihr Bewegungsspektrum. Körperliche Aktivität spielt für ihre motorische, soziale und persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle. Bewegungsmangel - insbesondere im Kindesalter - vergrößert demgegenüber das Risiko einer späteren Herzkreislauferkrankung. Kinder sollten deshalb täglich mindesten eine Stunde körperlich aktiv sein, raten Experten.

Bei Kindern mit angeborenem Herzfehler (AHF) ist die Lage prekär. Studien zeigen, dass Patienten mit AHF eingeschränkt aktiv sind. Sie bewegen sich viel weniger als gesunde Kinder.

Für Herzkinder ist Bewegung extrem wichtig

Ein Grund ist Überbehütung durch die Eltern. Verbote sind meist gut gemeint, aber kontraproduktiv und bremsen ihren natürlichen Bewegungstrieb. Die zahlreichen Operationen am Herzen tragen ebenfalls dazu bei, dass den betroffenen Kindern Bewegungserfahrung fehlt. Schnell geraten sie dadurch in eine Abwärtsspirale. Sie trauen sich immer weniger zu, bewegen sich noch weniger und setzen sich so dem deutlich höheren Risiko einer Leistungseinschränkung und Herzkreislauferkrankung aus. Bewegung ist für Patienten mit AHF deshalb extrem wichtig.

Bereits geringes körperliches Training hat einen positiven Effekt, wissen die Kinderherz-Experten. 95 Prozent der kleinen Herzpatienten haben keinerlei ärztliche Restriktionen bezüglich Sport.

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist jedoch völlig unklar, wieviel sich Kinder mit AHF heutzutage bewegen und wie sie im Leistungsvergleich zu gesunden Gleichaltrigen abschneiden. Diesen Fragestellungen geht dieses Projekt des Deutschen Herzzentrum und Technischen Universität München nach.

Kinder definieren Lebensqualität stärker über die Physis

Mit modernen Aktivitätsmessern (Wearables) wollen Forscher das Bewegungsverhalten der Herzkinder im Alltag erfassen und ihre Leistungsfähigkeit bei einer Belastungsuntersuchung messen. Die Wissenschaftler vermuten, dass bei Herzkindern ein Zusammenhang zwischen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität besteht. Denn Herzkinder definieren sich noch mehr über die Physis als Erwachsene mit Herzfehler. Letztere haben oft gelernt, mit ihrer Einschränkung zu leben und gewinnen ihre Lebensqualität aus anderen Bereich des täglichen Lebens.

Als kindgerechte Armbänder können die Wearables tageweise die aktiven Minuten und die Schritte ihres Trägers erfassen. Auch die Intensität der Bewegung wird aufgezeichnet. 400 Kinder mit angeborenem Herzfehler sollen an der Studie teilnehmen. Die individuelle Leistungsfähigkeit der Kinder wird vorab mittels Sprioergometrie (Belastung auf einem Fahrrad-Ergometer bei gleichzeitiger Analyse der Atemgase) festgehalten.

Gezielte Frühförderung legt Grundlage für das Bewegungsverhalten

Die erhobenen Daten sollen Aufschluss darüber geben, wie Aktivität, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei herzkranken Kindern zusammenhängen. Auf dieser Grundlage wollen die Ärzte Interventionsmaßnahmen wie eine sportmotorische Frühförderung herausarbeiten. Diese ist extrem wichtig, da sich das Bewegungsverhalten ins Erwachsenenalter überträgt. Mehr Aktivität über den Tag verteilt, führt zu besserer Leistungsfähigkeit, und das Gewicht und der Blutdruck bleiben im normalen Bereich.