Torwart Toni

Anton ist ein Paradebeispiel dafür, wie positiv sich ein Kind mit angeborenem Herzfehler entwickeln kann.
Anton ist ein Paradebeispiel dafür, wie positiv sich ein Kind mit angeborenem Herzfehler entwickeln kann.

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Zwischen zwei Pfosten, eine Latte über dem Kopf, dort ist Anton in seinem Element. Fußball ist das Lebenselixier des Zehnjährigen, der Bolzplatz sein zweites Zuhause. Wenn es nach ihm ginge, würde er irgendwann das Tor des FC Bayern München hüten. Doch „Toni“ kann noch so fleißig trainieren, mit seinem Herzfehler bleibt sein Traum eine Seifenblase.

Anton wurde mit einem Hypoplastischen Linksherz geboren. In den ersten beiden Lebensjahren musste er dreimal am Herzen operiert werden. Die erste Operation erfolgte fünf Tage nach seiner Geburt und war äußerst schwierig. Sein kleiner Körper wurde auf 17 Grad abgekühlt. Ein wichtiger Teil der OP erfolgte am stillstehenden Herzen.

Nach dem letzten Eingriff hatten die Ärzte am Deutschen Herzzentrum München den sogenannten Fontan-Kreislauf komplettiert. Anton durfte nach Hause – ein halbes, aber funktionierendes Herz in der Brust. „Ich werde sein Lachen niemals vergessen, das durch den Flur des Krankenhauses schallte, als er seinen Opa und den Papa sah! Er wusste sofort: Jetzt darf ich heim! Er grinste die ganze Autofahrt bis nach Hause“, erinnert sich Mutter Andrea.

Zweimal pro Wochen steht Anton im Tor der Sportfreunde Gmund-Dürnbach. „Er liebt es, ein Teil des Teams zu sein, mitgezogen zu werden“, sagt seine Mutter. „Toni zieht so viel Energie daraus. Ihm ist wichtig, wie alle anderen zu sein.“

Als Torwart erfüllt der Toni eine bedeutende Rolle für seine Mannschaft. Jeder Fehler kann zum Gegentor führen und ein Spiel entscheiden. Die größte Verantwortung tragen jedoch die Menschen abseits des Rasens. Die Betreuer müssen im Notfall schnell und richtig reagieren, wenn Antons halbes Herz plötzlich überfordert ist. Neben dem Spielfeld steht das kleine Erste-Hilfe-Täschchen, das Anton stets mit sich trägt. Darin befinden sich sein Herzpass und der Gerinnungsausweis mit allen wichtigen Informationen über seinen Herzfehler und den Telefonnummern seiner Eltern, Ärzte und des Deutschen Herzzentrums München.

Antons Eltern sind dankbar, dass die Menschen in seinem Umfeld die Verantwortung für ihren Sohn mittragen und ihn nicht ausschließen. Mittlerweile können sie auch „entschleunigt“ am Spielfeldrand stehen, wenn ihr Junge durch den Strafraum hechtet oder als Verteidiger die Abwehrreihe stellt. Diese Unbeschwertheit möchten sie ihm so lange es geht bewahren.

„Toni hatte nie mehr Krankheiten als sein großer Bruder Franz“, sagt Mutter Andrea. Er ist ein Paradebeispiel, wie positiv die Entwicklung eines Kindes mit angeborenem Herzfehler verlaufen kann. Dass nicht alle Familien mit einem Herzkind dasselbe glückliche Schicksal teilen, ist ihnen bewusst. Auch Toni. Er hat erlebt, wie seine Ur-Großmütter die Welt verließen. Er weiß, wo ein anderes Herzkind mit einem ähnlichen Herzfehler wie seinem begraben ist, dessen Herz weniger stark war. Leben und Tod liegen nah beieinander. „Er geht erstaunlich stark damit um“, finden seine Eltern.

„Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass ein Herzfehler nicht heilbar ist“, schildert Andrea. „Eine Operation und gut – so einfach ist es leider nicht. Unser Sohn bleibt ein Leben lang eingeschränkt.“

tl_files/contentbilder/herzkinder/Anton Ski.jpgtl_files/contentbilder/herzkinder/Anton am Meer.jpgTrotz halbem Herzen sorgt der Lausbub oft genug für staunende Gesichter. Anton wandert bis zu 2.200 Meter hohe Berge hinauf und heimst bei Bundesjugendspielen Siegerurkunden ein. „Nur“ Siegerurkunden, keine Ehrenurkunden, klagt der ehrgeizige kleine Sportler. Seine Eltern müssen ihn dann überzeugen, dass so eine Leistung eigentlich „total gut“ ist.

Die Familie wohnt direkt an einem Flüsschen, wo Anton und sein Bruder oft Staudämme bauen und täglich viel frische Luft tanken. Das vierte Schuljahr war nicht einfach. Sein Ehrgeiz und sein Fleiß spiegelten sich nicht immer in seinen Noten wider. Um seine Konzentration sei es etwas schwierig bestellt, erklärt seine Mutter. Die Hausaufgaben werden aber stets zuverlässig und ohne Murren umgehend nach Schulschluss erledigt. Dann geht’s sofort nach draußen. Der Bolzplatz ruft nach Torwart Toni.

Leben mit einem halben Herzen: Antons Herzgeschichte