"Eine berührende und zugleich herzerwärmende Biografie"

Regisseur Marc Rothemund (l.) auf dem Roten Teppich bei der Filmpremiere in Berlin. An seiner Seite: die Hauptdarsteller Elyas M'Barek (r.) und Philip Noah Schwarz.
Regisseur Marc Rothemund (l.) auf dem Roten Teppich bei der Filmpremiere in Berlin. An seiner Seite: die Hauptdarsteller Elyas M'Barek (r.) und Philip Noah Schwarz.

 

Regisseur Marc Rothemund im Gespräch über seine Kinokomödie "Dieses bescheuerte Herz"

Das Schicksal führt den sorglosen, selbsternannten Lebenskünstlers Lenny (Elyas M‘Barek) und den schwer herzkranken Teenager David (Philip Noah Schwarz) zusammen. Marc Rothemunds Film basiert auf einer wahren, lebensbejahenden und humorvollen Geschichte, zeigt aber auch die Konsequenzen eines Lebens mit angeborenem Herzfehler.


„Filme sind für mich Fenster zur Welt, Reisen an fremde Orte“, sagt der Regisseur. Die Szenen im Kinderhospiz wurden zum Beispiel in einer Kita für behinderte Kinder gedreht. „Die Kinder waren so neugierig, dass ich irgendwann fragte: Wollt ihr nicht mitspielen?“, erzählt Rothemund. „Es war toll mit ihnen zu arbeiten. Sie waren sehr diszipliniert, trotz langer und harter Drehtage.“ Wie Kinder mit Herzfehler sollte man auch alle anderen sogenannten „Behinderten“ lieber als  „körperlich Herausgeforderte“ betrachten, so wie sie sich eben selbst auch bezeichnen, sagt Rothemund.

Herr Rothemund, was hat Sie dazu bewogen einen „Film mit Herzfehler“ zu drehen?

Marc Rothemund: Die Biografie von Herzpatient Daniel hat mich sehr berührt. Zugleich ist sie sehr herzerwärmend. Man sollte das Thema Herzfehler nicht verheimlichen. Ich habe durch meine Filme gelernt, dass es einen großen Unterschied macht, ob Menschen von Geburt an beeinträchtigt sind oder es erst in einer späteren Lebensphase werden, zum Beispiel durch Erblinden wie in meinem Film „Mein Blind Date mit dem Leben“. Daniel wurde mit Herzfehler geboren, er kennt kein anderes Leben. Er und seine Mutter, die sich mit aller Liebe um ihn kümmert, haben eine vorbildliche Einstellung. Ihre Lebensphilosophie, jeden Tag zu zelebrieren, wertschätze ich sehr.  

Wie haben Sie sich der Thematik genähert?

Marc Rothemund: Neben der sehr detaillierten Biografie, haben wir viele Gespräche mit Daniels Mutter geführt, genauso wie auch mit Lars Amend, der uns alle seine Handy-Videos mit Daniel zur Recherche vertraulich zur Verfügung stellte. Wir haben diese Szenen teils eins zu eins im Kinofilm umgesetzt. Herzchirurg Prof. Bruno Reichart vom Klinikum Großhadern in München hat uns fachlich beraten. Ihm gelang 1983 die erste Herz-Lungentransplantation in Deutschland.

tl_files/contentbilder/Aktionen unserer Partner/Berlin/Philip Noah Schwarz © 2017 Constantin Film Verleih GmbH Foto Gisela Schober Getty Images3.jpgHauptdarsteller Philip Noah Schwarz alias Herzpatient David war Schauspiel-Neuling. Der Schüler bewarb sich mit einem selbst inszenierten Video. Sie loben vor allem sein „Kämpferherz“, das ihn von fast 500 Bewerbern abhob. Warum fiel Ihre Wahl auf ihn?

Marc Rothemund: Mir sind fünf Dinge bei Schauspielern sehr wichtig: Spielfreude, Leidenschaft und der Zugang zu den Charakteren, Talent und Kollegialität. Philip Noah hat seine Rolle mit einer phänomenalen Wahrhaftigkeit zum Leben erweckt. Mit seinem jugendlichen Elan hat er vor allem in den kräftezehrenden Momenten unserer Dreharbeiten die Fahne hochgehalten.

Im Film gibt es ein Happy End, im echten Leben leider nicht immer. Hätten Sie den Film auch gedreht, wenn Daniels Geschichte eine andere Vorlage geliefert hätte?

Marc Rothemund: Auf jeden Fall. Ich bin fasziniert von Daniels Willensstärke und den emotionalen Reisen, welche die Protagonisten durchleben: Ein Junge mit Herzfehler, der ein normaler Teenager sein will. Ein junger Mann, der erfährt was es heißt, Verantwortung zu tragen. Und eine besorgte Mutter, die lernen muss, loszulassen. Es freut mich unglaublich, dass Daniel und seine Mutter bei der Film-Premiere mit uns auf dem roten Teppich stehen konnten.

(Fotos: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH, Gisela Schober, Getty Images)

 

Happy Ends soll es nicht nur im Film geben. Tragen Sie mit Ihrer Spende dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler auch im echten Leben eine Chance bekommen. #KinderHerzForschungFördern