Dieses bescheuerte Herz

Mit Elyas M'Barek und Philip Noah Schwarz in den Hauptrollen startete "Dieses bescheuerte Herz" am 21. Dezember in den deutschen Kinos.
Mit Elyas M'Barek und Philip Noah Schwarz in den Hauptrollen startete "Dieses bescheuerte Herz" am 21. Dezember in den deutschen Kinos.

 

Das Thema Herzfehler erobert die Kinoleinwand

In der Komödie „Dieses bescheuerte Herz“ kreuzen sich die Wege eines herzkranken Teenagers und eines sorg- und rücksichtlosen jungen Mannes. Zwischen David, gespielt von Philip Noah Schwarz, und Lenny (Elyas M‘Barek) entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft. David kam mit einem Herzfehler Welt und kennt alle deprimierenden Facetten einer lebensbedrohlichen Krankheit. Es ist nicht klar, ob er seinen 16. Geburtstag erleben wird. Lenny lebt auf Kosten seines Vaters, einem Herzspezialisten am Klinikum Großhadern, und ist in den Clubs der Stadt zu Hause. Zwei Welten prallen aufeinander, als Lenny verpflichtet wird, Davids „Wunschliste“ zu erfüllen. Über ihren Sinn für Humor finden die beiden zusammen. Für David keimt neue Hoffnung auf Freiheit, Abenteuer und Teenager-Rebellion.

Der Film von Regisseur Marc Rothemund basiert auf der wahren Geschichte nach dem gleichnamigen Buch (2013) des Journalisten Lars Amend und dem herzkranken Daniel Meyer. Kinostart war am 21. Dezember 2017. Hier geht's zum Interview mit Marc Rothemund.

 

Nadine Wrietz schlüpft in die Rolle von Davids übervorsichtiger, alleinerziehender Mutter Betty. Sie hat jeden Tag Angst, ihren Sohn zu verlieren. Im Interview mit der Stiftung KinderHerz spricht Nadine Wrietz über Verlustängste, tränenreiche Drehtage und eine positive Einstellung zum Leben. 

Frau Wrietz, wie haben Sie Zugang zur Rolle einer Mutter mit einem schwer herzkranken Kind gefunden?

Nadine Wrietz: Als Schauspielerin habe ich selten die Gelegenheit, die Persönlichkeit eines real existierenden Menschen zu entleihen. Für meine Recherche war das großartig. Ich habe kurz überlegt, ob es sinnvoll ist, den persönlichen Kontakt zu Daniels Mutter Debbie aufzunehmen oder ob ich mir ein eigenes Bild schaffen sollte. Aber ich war zu neugierig und wir hatten daraufhin ein anregendes Kennenlernen via Skype. 

Sie sind selbst Mutter. Hat Sie das Schicksal von Daniel und seiner Mutter deshalb intensiver berührt?

Nadine Wrietz: Sobald man Kinder hat, erlebt man sein Leben vollkommen anders. Es tun sich neue Verlustängste auf. Das Schicksal der beiden ging mir sehr nahe. Die Telefonate mit Debbie haben mich oft zu Tränen gerührt. Daniel und Debbie sind wahnsinnig tapfer. Sie leben jeden Tag mit der Endlichkeit vor Augen. Debby hat mir erzählt, dass sie deshalb zum Beispiel versuchen, sich immer nett voneinander zu verabschieden. Und ich habe gelernt: Es ist keine gute Energie, Angst zu haben.

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Foto: Nadine Wrietz (r.) und Philip Noah Schwarz (2.v.l.) spielen im Film die Rollen von Herzpatient Daniel und seiner Mutter Debbie. (©2017 Constantin Film Verleih GmbH, Andreas Rentz Getty Images)

 

Sie haben sich an 40 Drehtagen in diese extreme Gefühlslage hineinversetzt. Wie gelang Ihnen das?

Nadine Wrietz: Es ist extrem schwer, diese Spannung so lange zu halten. Um mich in die passende Stimmung zu versetzen, habe ich mir oft YouTube-Videos vom Alltag lebensbedrohlich kranker Kinder angesehen. Ihre Eltern haben es dokumentiert, teils als Andenken, untermalt mit Musik. Meistens haben bereits zehn Sekunden gereicht. Diese Kinder leiden vermutlich mehr als Erwachsene überhaupt imstande sind. Ich habe in dieser Rolle sehr viele echte Tränen geweint. Ein normaler Alltag während des Drehs war so unmöglich. Jeden Tag bin ich bleischwer ins Bett gefallen. Als dann Weihnachten vor der Tür stand, wurde mir klar, dass ich jetzt in mein Leben zurückkehren muss.  

Hatten Sie vor dem Film bereits Berührungspunkte mit dem Thema angeborene Herzfehler?

Nadine Wrietz: Ja, ich hatte eine etwa gleichaltrige Cousine, die mit einem Herzfehler und Down-Syndrom auf die Welt gekommen war. Obwohl sie nur 19 Jahre alt wurde, hatte sie dank ihrer positiven Einstellung ein tolles, erfülltes Leben.

tl_files/contentbilder/Aktionen unserer Partner/Berlin/Wrietz, Schwarz DBH_12657_b_1400 © 2017 Constantin Film Verleih GmbH Juergen Olczyk.jpg

Was nehmen Sie persönlich aus den Dreharbeiten mit?

Nadine Wrietz: Am Set haben wir uns manchmal gefragt, wie wir damit umgehen, wenn Daniel während unserer Dreharbeiten aus dem Leben scheidet. Wir fanden keine Antwort, nur Ungewissheit. Der liebe Gott wollte offenbar auch, dass Daniel und seine Mutter die Filmpremiere in Berlin miterleben konnten. Ich freue mich unglaublich für die beiden. Im Film bleibt manchmal das Lachen im Hals stecken, aber man verlässt das Kino mit einem guten Gefühl. Man ist froh, am Leben zu sein.

Frau Wrietz, vielen Dank für das Gespräch!

(Foto: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH, Jürgen Olczyk)

 

Happy Ends soll es nicht nur im Film geben. Tragen Sie mit Ihrer Spende dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler auch im echten Leben eine Chance bekommen. #KinderHerzForschungFördern

Hier geht's zum Interview mit Regisseur Marc Rothemund.