Emilios' Happy End

Strahlemann: Emilios hat sich erstaunlich schnell erholt.
Strahlemann: Emilios hat sich erstaunlich schnell erholt.

 

Es ist 13.05 Uhr an einem Freitag im September. Das Handy klingelt. Tränchen kullern. Eine schwere Last fällt ab. Die Operation am Herzen ist gut verlaufen, teilt Kinderherz-Chirurg Dr. Daniel Biermann mit. Emilios‘ Eltern atmen auf. Sehr tief. „Unglaublich, dass wir in so einer Situation feststeckten“, sagt Maria, die Mutter des kleinen Herzkinds. „Es trifft nicht immer nur die anderen Familien.“

Rückblick. Bereits vor Emilios‘ Geburt stellen die Ärzte den am häufigsten auftretenden angeborenen Herzfehler fest: ein Loch in der Herzscheidewand. Für die Experten vom Universitären Herzzentrum Hamburg-Eppendorf ein Routine-Eingriff. Trotzdem steht dem Jungen eine komplizierte und seltene Spezial-Operation bevor – die nach ihrem Erfinder benannte Nikaidoh-Prozedur. Sie ist unumgänglich, weil beide Hauptarterien an Emilios‘ Herzen vertauscht sind. Die Herzklappe zur Lungenschlagader ist zudem stark verengt. 

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Den wenige Monate alten Jungen beeindruckte sein holpriger Start ins Leben offenbar wenig. Für ein Herzkind wuchs Emilios rasch heran. Das stimmte die Ärzte optimistisch, die Operation schieben zu können, bis Emilios rund acht Kilogramm auf die Waage brachte. Dann, so die Annahme, würde er den Eingriff noch besser verkraften. Nach erfolgreicher OP würde er ein normales Leben führen können und keine bleibenden Schäden davontragen, prognostizierten die Mediziner.

Die Wochen und Monate des Wartens strapazierten das Nervenkostüm seiner Eltern. „Das wird schon“, versuchten Freunde und Verwandte immer wieder das Paar aufzumuntern. „Wir nehmen es wirklich niemandem übel, aber diesen Satz konnten wir einfach nicht mehr hören“, gesteht Vater Wasili. „Wir dürfen uns nicht verrückt machen“, waren sich Maria und Wasili einig. Auch deshalb behandelten sie Emilios wie ein ganz normales Baby. Efi, seine große Schwester, war mit ihrer unbekümmerten Art sowohl ihrem Bruder als auch ihren Eltern eine große Stütze.

Die Zeit bis zur OP verbrachte die Familie geeint im trauten Heim. Mit speziellen Messgeräten musste die Sauerstoffsättigung des Bluts regelmäßig kontrolliert werden. Emilios durfte sich nicht überanstrengen, weshalb ein schreiender Säugling für beide Eltern jedes Mal zur Nervenprobe avancierte.

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Dann kam der Tag der Nikaidoh-OP. Der Anruf, die Erleichterung. Nur drei Tage später verließ der Junge die Intensivstation. „Es grenzte an ein Wunder wie schnell er wieder fit und voller Energie war“, sagt sein Vater euphorisiert, „Ein filmreifes Happy End.“ Als Teenager wird sich Emilios noch einmal in die Obhut der Kinderherz-Spezialisten um Dr. Biermann begeben. Die eingesetzte Ersatzklappe muss ausgetauscht werden. Sie wächst nicht mit.

Emilios‘ einnehmendes Lächeln lässt heute jedoch keine Bedenken vor der Zukunft. „Er strahlt nun wieder von morgens bis abends“, freut sich Mutter Maria, und beide strahlen nun um die Wette.