Herz-Lungen-Training für Herzkinder

 

Mit nur einer funktionsfähigen Herzkammer halbiert sich die körperliche Leistungsfähigkeit – das zeigen medizinische Studien. Manche Kinder mit angeborenem Herzfehler besitzen eine solche außergewöhnliche Anatomie. Infolge einer sogenannten Fontan-Operation in den ersten Lebensjahren pumpt bei ihnen lediglich eine Herzkammer das sauerstoffreiche Blut durch den Körper. Die erste korrigierende OP erfolgt in der Regel schon wenige Tage nach der Geburt. Das „verbrauchte“ venöse Blut gelangt so nur passiv, unterstützt durch die Atmung, in die Lunge.

Patienten mit Einkammerherzen sind schlapp und müde, haben Luftnot bei Belastung und Wassereinlagerungen. Ihre ohnehin geringe Belastbarkeit verschlechtert sich auf lange Sicht sogar. Das Herz erbringt weniger Pumpleistung, der Lungendruck erhöht sich. Bis zu einem kompletten Versagen des Kreislaufs ist es dann nicht weit. Ein zusätzliches Problem: Betroffene empfinden ihren körperlichen Zustand selten als bedrohlich, weil sie sich an ihre unzureichende Leistungsfähigkeit angepasst haben. Ihre körperliche Einschränkung gipfelt oft in sozialer Isolation. Medikamentöse Konzepte versagen häufig.

Mit kontinuierlicher sportlicher Betätigung können Patienten diesem Prozess aktiv entgegenwirken und ihre Leistungsfähigkeit sogar verbessern. Allerdings fehlte bislang eine Anlaufstation mit fachgerechter Betreuung.

Sport ist für herzkranke Kinder und Heranwachsende nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll, so die These der Spezialisten am Deutschen Herzzentrum Berlin. Das Forschungsprojekt an dem Dr. Stanislav Ovrutski arbeitet, baut darauf auf.

tl_files/contentbilder/Kliniken/KindmitOvroutski2 bearbeitet.jpgAber nicht jede Art von Bewegung ist zielführend. Während Sprints oder statische Belastung kontraproduktiv sind, wirken sich Schwimmen, Fahrradfahren und Atemübungen positiv aus. Bei Belastung unterhalb der individuellen maximalen Intensität kann sich der Körper langfristig an die besonderen Gegebenheiten des Einkammer-Kreislaufs anpassen. Die Füllphase der Herzkammer verlängert sich zum Beispiel, wenn das Herz unter Belastung weniger schnell schlägt. Yoga kann zusätzlich die richtige Atemtechnik trainieren. Die Bewegung der Muskeln wirkt grundsätzlich wie eine Pumpe und unterstützt den Blutfluss.

Ziel der Forscher ist es, ein angeleitetes Trainingsprogramm zunächst über eine Dauer von 18 Monaten aufzubauen: zwei Einheiten pro Woche für jeweils eine Stunde. Die gezielte Kombination aus Atemtherapie und körperlichem Training soll die kleinen Herzpatienten fitter für die Herausforderungen eines aktiven Alltags machen. Sie sollen ihre Leistungsgrenzen erfahren und lernen, Reserven angstfrei zu aktivieren, die sie bisher nicht kannten.  Das Programm soll den Grundstein legen und die Teilnehmer motivieren, ihr Training anschließend selbstständig fortzusetzen – ein Leben lang. Erwartet wird eine Verbesserung der Herz-Lungen Belastbarkeit und der Lebensqualität gegenüber den Ausgangswerten.

Ausblick:

In einer zweiten Phase soll es eine minimal-invasive vollimplantierbare dauerhafte Überwachung des pulmonalarteriellen Widerstands geben. Dies wäre weltweit eine erstmalige Anwendung bei dieser Patientengruppe. Die Implantation der Sensoren erfolgt im Rahmen einer invasiven Herzkatheteruntersuchung nach dem Übergang zur zweiten Phase der Studie.

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