Die guten Zeiten feiern

Herzkind Frida mit ihrem großer Bruder und Beschützer Emil.
Herzkind Frida mit ihrem großer Bruder und Beschützer Emil.

Wir unterstützen deutschlandweit Forschungsprogramme in der Kinderherz-Medizin. Hier finden Sie unsere aktuellen Förderprojekte.

 

„Herzfehler ist ein sch… Wort!“, grimmt Emil. Warum die Menschen immer von einem Fehler sprechen, will er von seiner Mutter wissen. Der Siebenjährige weiß besser als viele Erwachsene, was es bedeutet, mit einem kranken Herzen auf die Welt zu kommen. Der Leidensweg von Schwesterchen Frida war irgendwie auch seiner. Emil ist ihr Beschützer.   

Das Fest der Liebe ist für die Familie der Geschwister ein Fest der Dankbarkeit. Fast hätte es überhaupt keinen Grund zum Feiern gegeben. Klein-Frida wurde wenige Stunden vor Heiligabend am Herzen operiert. Sie war erst vier Tage alt.

Die schockierende Diagnose „Hypoplastisches Linksherzsyndrom“ würde drei Eingriffe an Fridas Herzen erforderlich machen, erklärten die Experten am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Der fehlgebildete Herzkreislauf sollte durch die sogenannten Fontan-Operationen korrigiert werden – die Voraussetzung für Fridas Überleben. Die erste Operation ging gut aus. Die Eltern, Frauke und Tim, pendelten an diesen Weihnachtstagen hin und her zwischen Intensivstation und Bescherung, zwischen Emil und Frida.

Kreislaufversagen droht - die zweite Operation muss vorgezogen werden

tl_files/contentbilder/herzkinder/Herzkind Frida_Geburt.jpg„Mein Mutterherz spürte, dass etwas nicht in Ordnung war“, erzählt Frauke. „Das schmerzverzerrte Gesicht, trotz Medikamente. Dieser verzweifelte Blick.“ Etwa vier Wochen nach der OP schlugen Frauke und eine aufmerksame Krankenschwester wieder Alarm. Bevor Fridas Kreislauf zusammenbrechen konnte, wurde sie erneut auf die Intensivstation befördert. Das Mädchen wog knapp vier Kilo. Eigentlich zu wenig, um den zweiten OP-Schritt einzuleiten. Doch den Ärzten blieb keine Zeit zu warten, Fridas Herzschlag drohte zu verstummen. Risiko.

„Totale Anspannung in jeder Sekunde“, schildern Frauke und Tim ihre Gefühlslage vor dem Eingriff. Wie fast jede freie Minute seit Fridas Geburt, hatten sie auch den Vorabend der zweiten Operation in der Klinik verbracht. Was sie miterlebten, strapazierte ihre Nerven endgültig. Die Station fiel in den Notfallmodus, sie kämpfte in der Nacht um einen anderen ihrer kleinen Patienten. Dann ging die Sonne auf. Auch Frida würde nun mit Hilfe der Ärzte kämpfen. Sie gewannen.

Der Frühling brach an und Frida brach auf. Nach Hause, zu Emil, der unter dem Spagat seiner Eltern zwischen Klinik und der zwischenzeitlich bezogenen Ferienwohnung in Kiel oft der Leidtragende war. Daheim erholte sich seine anfangs sehr lethargische und phlegmatische Schwester schnell. „Ruckizucki“, freut sich Mama Frauke. „Wir haben erst einmal zu Hause und Leben geordnet und uns dann Urlaub gegönnt.“

 

Der "Koloss" Medizin zahlt Vertrauen zurück

„Ruckizucki“ erholte sich Frida schließlich auch von ihrer dritten und letzten Operation im Alter von zweieinhalb Jahren. „Schon zwei Tage danach saß sie aufrecht und munter in ihrem Krankenbettchen“, erzählt Frauke. Der „Koloss“ Medizin hatte es geschafft. Frida hat jetzt ein halbes, aber funktionierendes Herz. Frauke: „Das gesamte Personal hat einen tollen Job gemacht!“

Frida wird jedoch immer weniger ausdauernd sein, sich schlechter konzentrieren können als andere Kinder. Ihr umgebauter Herzkreislauf transportiert weniger Sauerstoff zu den Organen und Muskeln. Sie bekommt Ergo- und Physiotherapie, um in die bestmögliche körperliche Verfassung zu kommen. „Die Ärzte konnten uns nicht garantieren, dass unser Kind keine intensivmedizinischen Schäden davonträgt, als wir die Klinik verließen“, erinnern sich Tim und Frauke. Ihre Tochter aber blühte auf. Sie macht heute alles mit, was ihr großer Bruder anstellt. „Wir können mit ihr einfach nicht vorsichtiger umgehen als mit Emil“, betont Frauke. Die Medizin hat das Vertrauen zurückgezahlt. Auch Line ist so ein Vertrauensbeweis. Sie hat Frida inzwischen zur großen Schwester gemacht.

„Wir haben im Zusammenhang mit dem Herzfehler unserer Tochter nie von Pech gesprochen“, sagt Frauke. „Es klingt komisch, aber alles, was wir durchgemacht haben, ist auch ein Geschenk für die Zukunft. Wir leben im Jetzt. Unser Fokus liegt auf dem Wesentlichen – nicht auf einer Hecke, die geschnitten werden will.“ Herz-Fehler, was für ein Wort…