Phantasie ist Lebenskraft

Angelika Bartram schrieb mehrere Kinderbücher über Angst, Mut und Phantasie.
Angelika Bartram schrieb mehrere Kinderbücher über Angst, Mut und Phantasie.

 

Angelika Bartram sollte Ärztin werden, aber ihr Herz schlug für die Bühne. Während des Medizin- und Psychologiestudiums gründete sie, trotz Bedenken ihrer Eltern, 1974 das Kindertheater Ömmes & Oimel, später auch das Comedia in Köln. „Das war meine mutigste Entscheidung“, sagt die Schauspielerin und Regisseurin rückblickend. „Ich hatte keine finanzielle Absicherung. Die Angst vor der Ungewissheit war für mich die größte Herausforderung.“

Doch mit dem eingeschlagenen Weg hatte Angelika Bartram Erfolg. Sie wurde Headautorin bei der Sesamstraße, schrieb Musicals und TV-Komödien. Gemeinsam mit Jan-Uwe Rogge verfasste sie mehrere Kinderbücher über Angst, Mut und Phantasie.

 

Frau Bartram, da ist ein Monster unter meinem Bett. Viele Eltern reagieren auf Ängste von Kindern mit dem Satz: „Du musst keine Angst haben.“ Warum ist dieser Ansatz aus ihrer Sicht falsch?

Angelika Bartram: Diese Botschaft vermittelt dem Kind, dass seine Angst nicht ernst genommen wird. Kinder leben in ihrer eigenen Realität, sie haben eine magisch-phantastische Auffassungsgabe. Was sie sich nicht erklären können – das Ungewisse – füllen sie mit Phantasie. Für Erwachsene besteht die Schwierigkeit diese Wissenslücken zu erkennen, da sie dem Ungewissen mit Rationalität begegnen.

Um dann wie damit umzugehen?

Angelika Bartram: Eltern müssen ein Gefühl dafür entwickeln, was ihr Kind wissen will/muss, um mit Angst umzugehen. Gegenfragen sind hier ein probates Mittel. Eltern können die Kinder erklären lassen, was sie ängstigt, um herauszufinden wo ihre Angst steckt. Der erste Schritt ist, die Angst zuzulassen. Es ist mutig, sie sich anzuschauen! Wenn sich Kinder mit dem Objekt ihrer Angst auseinandersetzen nehmen sie automatisch das Heft des Handelns in die Hand. Sie lernen dadurch: Ich kann mit dem Ungewissen umgehen. Aus der Zuversicht, dass doch alles gut wird, entwickelt sich dann Stärke.

Wie können Eltern Kinder darin unterstützen?

Angelika Bartram: Kinder sind stärker auf emotionaler Ebene verwurzelt als Erwachsene. Man muss sie dort abholen. Die Phantasie ist der Schlüssel für jede Entwicklung. Kinder haben von Natur aus ungeheures Potenzial zur Selbstheilung. Dadurch ist die Phantasie eine der stärksten Lebens- und Überlebenskräfte. Man sollte sie mehr wertschätzen.

Nehmen wir das Beispiel einer bevorstehenden Herzoperation. Das Kind hat Angst, weil es nicht weiß was geschehen wird. 

Angelika Bartram: Bei herzkranken Kindern kann die Angst vor Ungewissheit extrem ausgeprägt sein. Sie zu verdrängen, rächt sich jedoch immer. Das kann sich später in Panikattacken oder dem Gefühl von Verlassenheit äußern. Diese Kinder trauen sich dann nicht mehr ihre Ängste zu äußern. Es ist deshalb wichtig, Bilder zu schaffen, die Mut machen und die Zukunft konkret und positiv ausmalen. Mut zur Phantasie! Kranke Kinder sprechen stärker darauf an. Denn ihre magische Phantasiewelt ist ein Raum, in dem alles möglich ist. Das kann sehr heilsam sein. Gerade wenn eine Krankheit das Leben bestimmt, ist Phantasie der Mut, den Moment voll auszukosten. Die Fähigkeit zum magischen Denken wandelt sich etwa im Alter von sechs bis sieben Jahren. Kinder werden also von alleine rationaler. Der Zeitpunkt  hängt jedoch von ihrer individuellen Entwicklung ab und kann viel später einsetzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

www.angelika-bartram.de