Die "Drei Geschichten vom Mut"

In ihrem Atelier in Kiel entwickelte Roswitha Steinkopf zusammen mit der Stiftung KinderHerz die "Drei Geschichten vom Mut".
In ihrem Atelier in Kiel entwickelte Roswitha Steinkopf zusammen mit der Stiftung KinderHerz die "Drei Geschichten vom Mut".

 

Roswitha Steinkopf ist die Schöpferin der „Drei Geschichten von Mut“. Am 2. April 2018 flog das Gemälde der Kieler Künstlerin ins Weltall, zur Internationale Raumstation (ISS). Gedruckt auf einer Fahne, soll es dort ein Mut machendes Zeichen für herzkranke Kinder und ihre Familien setzen. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst folgte der Fahne am 6. Juni nach.

Im Interview haben wir mit Roswitha Steinkopf über Mut, ihre Beweggründe und die Ziele ihres Werkes „Drei Geschichten von Mut“ gesprochen.   

 

Frau Steinkopf, was war Ihr mutigstes Erlebnis, Ihre mutigste Tat?

Roswitha Steinkopf: Ich musste mir in während der letzten 17 Jahre immer wieder selber Mut machen. Solange schon arbeite ich an meinem Kunstprojekt „Yes I have an answer“. Dafür habe ich alleine viele Länder mit fremden Kulturen, Sprachen und Religionen bereist  und mehr als 3500 Menschen gefragt, was für sie Kunst bedeutet. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Begegnung mit dem geistigen Oberhaupt eines thailändischen Klosters. Dort haben Frauen normalerweise absolut keinen Zutritt. Das Reisen in die Fremde forderte meinen Mut, aber mehr noch jedes einzelne Zugehen auf mir gänzlich unbekannte Menschen, oft ohne Kenntnis ihrer Sprache und dann noch mit einer Bitte. Aber der Mut ist tausendfach belohnt worden.

Was macht einen mutigen Menschen aus?

Roswitha Steinkopf: Die Eigenschaft Mut steht für mich nie alleine. Mut setzt immer Vertrauen in die eigene körperliche und geistige Kraft voraus. Dieses Vertrauen legt wiederum die Grundlage, optimistisch zu sein, eine Sache zu schaffen. Daraus erwächst dann auch eine gewisse Risikobereitschaft. Den Astronaut Alexander Gerst halte ich für einen sehr mutigen Menschen. Er sagte einmal: ‚Das Wichtigste beim Abheben ins Weltall ist Vertrauen‘.

Sie sagen, Mut brauche immer ein Ziel. Was ist das Ziel der „Drei Geschichten von Mut“?

tl_files/contentbilder/Aktionen unserer Partner/MissionMut/Steinkopf, Flagge ausbreiten, web.jpgRoswitha Steinkopf: Die Horizons Mission zur ISS dient in erster Linie zu Forschungszwecken. Für die Astronauten gehört darüber hinaus eine persönliche Neugierde und Leidensfähigkeit dazu. Ich habe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln selbst Einblicke in die lange Ausbildung erhalten. Sie müssen enorm viel lernen und sehr harte Tests absolvieren. Mich beeindruckte die Antwort, die Alexander Gerst bei einer Willkommensfeier nach seiner Rückkehr von der Mission 2014 einem Kind im Publikum gab. Es hatte gefragt, ob er denn keine Angst gehabt hätte im Orbit. So weit und so lange weg von daheim, ohne seine Familie. Ich empfand Gersts Antwort so als richte er sie an die gesamte Menschheit: ‚Menschen können viel mehr als sie sich zutrauen‘. Die ISS auf meinem Bild erzählt von dem Mut, dort oben, im Orbit, sechs Monate lang eine Mission zu erfüllen.   

Auch die Medizin ist für mich sehr stark mit Mut verbunden. Ärzte müssen das Unmögliche denken können und wagen: ‚Ich kann Herzfehler heilen‘. Ich kenne einen Arzt, der an der Entwicklung der die NiTinol-Schirmchen* mitwirkte. Er erzählte mir, dass es damals unglaublich viel Mut erforderte, um die Schirmchen am Herzen kleiner Kinder einzusetzen. Das NiTinol-Schirmchen auf der Fahne berichtet von der zweiten Geschichte von Mut.

tl_files/contentbilder/Aktionen unserer Partner/MissionMut/Steinkopf malt Seite.jpgLetztendlich muss aber nicht nur der Arzt mutig sein, sondern auch die Eltern. Sie vertrauen ihre herzkranken Kinder den Ärzten an. Nur so können sie ihnen helfen. Die Stiftung KinderHerz schenkt ihnen dafür Mut. Sie stärkt das Vertrauen in die Medizin, indem sie den Eltern von positiven Beispielen berichtet. Das leuchtend rote Logo der Stiftung steht für die dritte Geschichte von Mut.

Das heißt, Sie sprechen anderen Menschen Mut zu?

Roswitha Steinkopf: Ich kann weder Ärzten noch Astronauten Mut zusprechen. Um das rechtfertigen zu können, müsste ich ein größeres Wissen und mehr Erfahrung besitzen als sie. Das habe ich nicht. Aber ich - und jeder andere auch - kann kranken Kindern und ihren Eltern Mut schenken, damit sie an ihrer Erkrankung nicht verzagen. Die Stiftung KinderHerz macht das genauso.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

tl_files/contentbilder/Aktionen unserer Partner/MissionMut/Farben.jpgwww.roswitha-steinkopf.de

Die Künstlerin entwickelte bereits 2014 das „OrbitHerzchen“ für die Stiftung Kinderherz, welches ebenfalls die lange Reise zur ISS antrat.

 

 

*NiTinol-Schirmchen werden zum Verschließen von Löchern in der Herzscheidewand eingesetzt. Per Katheder werden sie über Blutgefäße bis zum Herzen geschoben. Das Material, eine Mischung aus Nickel und Titan, besitzt ein Formgedächtnis. Die NASA verwendete NiTinol erstmals, um Satelliten-Bauteile kompakt gefaltet in den Weltraum zu transportieren, wo sie sich selbständig entfalten.