Josefinas Training ist wie Zähneputzen

Herzpatientin Josefina nahm am Atemtraining im Kinderherz-Zentrum München teil.
Herzpatientin Josefina nahm am Atemtraining im Kinderherz-Zentrum München teil.

 

„Manchmal kann ich besser atmen und dann auch besser rennen!“ Josefina (10) hat am Atemtraining von Doktorandin Julia Hock am Deutschen Herzzentrum München (DHM) teilgenommen. Sie ist eine von insgesamt 60 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von acht bis 23 Jahren mit einer Fallotschen Tetralogie nach Korrektur. Zusammen mit Julia Hock wollen sie herausfinden, ob das Atemtraining das Lungenvolumen vergrößert und positiv auf die Leistungsfähigkeit der jungen Patienten auswirkt. Prof. Dr. Alfred Hager leitet die Ambulanz des DHM und diese Studie.

Im Alter von einem Jahr wurde Josefina operiert. Das Loch am Herzen wurde geschlossen, die Klappe für den Lungenkreislauf erweitert. Somit hat Josefina jetzt zwei Kreisläufe. „Wenn man sie heute sieht, erinnert nur noch die Narbe an die Erkrankung“, sagt ihr Vater. „Ansonsten ist sie wie jedes andere Kind auch. Sie hat viel Energie!“ Auch bei den Tests ihrer Lungenfunktion, ihrer Leistungsfähigkeit und sportmotorischen Konstitution in der Kinderherz-Ambulanz hat Josefina gut abgeschnitten und wurde in das Atemtraining eingewiesen. 

Josefina hat ihr sechsmonatiges Training beendet und ist jetzt wieder in der Ambulanz der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Ewert. Während des Trainings stand Doktorandin Julia Hock regelmäßig in Kontakt mit Josefina und ihrer Familie, um Entwicklungen zu beobachten und Anpassungen des Atemtrainings vorzunehmen.

Manchmals dienten die Telefonate für Josefina auch als Motivation. "Meistens kommt das Motivationsloch nach drei bis sechs Wochen", weiß Julia Hock. "Dann ist das Atemtraining nicht mehr so spannend, das Gerät hat seinen Platz in der Wohnung gefunden und die Kinder vergessen es manchmal. Insgesamt haben alle Herzpatienten aber sehr gut mitgemacht!"

Neben der Leistungsfähigkeit (Spiroergometrie) darf das quirlige Mädchen auch einen Lungenfunktionstest (Bodyplethismgraphie), verschiedene Krafttests (z.B. Liegestütz, Handkrafttest) und Tests der Beweglichkeit (z.B. Atemexkursion, Lateralflexion) machen und füllt fleißig Fragebögen aus. „Die Betreuung war super!“, findet Josefina. „Und das Training war echt einfach und schnell.“ Auch ihr Bruder habe das Training ausprobieren dürfen.

„Ziel ist es, das Training wie Zähneputzen zu sehen – man macht es, auch wenn man nicht immer Lust dazu hat“, erklärt Julia Hock. Josefina und ihre Mitstreiter sollen jeden Tag zweimal zehn Wiederholungen mit einem bestimmten Volumen trainieren und dabei eine bestimmte Geschwindigkeit einhalten. „Gar nicht so einfach, wie es aussieht“, meint Josefina.

Mittels des volumenorientierten Trainings soll das Herz-Kreislauf-System entlastet werden und hier vor allem die rechte Herzhälfte, die bei einer Fallotschen Tetralogie anatomisch und funktionell leicht bis stark eingeschränkt ist. Vor allem durch die Dehnung des Brustkorbes und das insgesamt tiefere und bewusstere Atmen soll hinsichtlich der Auswirkung die Lungenfunktion, Leistungsfähigkeit, aber auch Kraft und Beweglichkeit getestet werden. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten und Patientinnen spielt hier eine wichtige Rolle.

Neben Josefina absolvieren noch weitere Herzpatienten das Training. Die Rückmeldungen sind positiv, so Hock: "Einige sagen, dass es ihnen leichter fiele, Treppen zu steigen, Fahrrad zu fahren und überhaupt sich zu bewegen." Mitte 2019 werden objektive Messungen mittels Spiroergometrie erwartet. Dann können die Kinderherz-Spezialisten erkennen, ob sich durch das Training Veränderungen ergeben. "Ich wünsche mir, dass sich alle Teilnehmer so bewegen können, wie sie wollen, und das Atemtraining ihnen eine Unterstützung bietet", so die Doktorandin.