Am Anfang stehen Zweifel. Wird überhaupt jemand spenden? Lässt sich wirklich Unterstützung mobilisieren? Die Antwort überrascht ihn selbst: Bereits im ersten Jahr kommt eine stattliche Summe zusammen. „Das hat mir gezeigt, wie viel Kraft in gemeinschaftlichem Engagement steckt“, sagt Daniel. „Viele Menschen haben es möglich gemacht, mit kleinen und großen Beiträgen etwas Gutes für herzkranke Kinder zu bewirken. Genau dieses Gefühl – zusammen etwas bewegen zu können – motiviert mich bis heute, immer wieder für die Stiftung KinderHerz beim Berlin-Marathon an den Start zu gehen.“
Natürlich spielt auch ein bisschen sein sportlicher Ehrgeiz eine Rolle – der Wunsch, mit jedem Lauf noch ein Stück mehr zu erreichen. „Man wird von tausenden Menschen angefeuert, getragen und gefeiert. Trotz der Anstrengung versuche ich immer, diesen Moment zu genießen.“ Besonders berühren ihn die Augenblicke, wenn Zuschauer sein Laufshirt mit dem Logo der Stiftung KinderHerz erkennen. „Wenn jemand am Streckenrand ‚KinderHerz!‘ ruft, merkt man sofort: Man läuft nicht nur für sich selbst.“
Denn hinter seinem Engagement steckt auch persönliche Nähe zu den Themen Krankheit und Familie. Daniel ist Vater von zwei gesunden Kindern – ein Glück, für das er jeden Tag dankbar ist. Doch auch er hat bereits erlebt, wie schnell sich alles ändern kann: Seinem jüngsten Kind muss im ersten Lebensjahr eine Niere entfernt werden. „In dieser Zeit haben wir zumindest ansatzweise nachempfinden können, welche Sorgen und Ängste Familien mit herzkranken Kindern durchleben.“
Durch seine Spendenaktionen hat er außerdem immer mehr Menschen kennengelernt, die mit einem angeborenen oder erworbenem Herzfehler leben – Kinder ebenso wie Erwachsene. Je mehr er sich mit dem Thema beschäftigt, desto klarer wird ihm, wie wichtig medizinischer Fortschritt und die Entwicklung der Forschung sind. Jede Begegnung, jede Geschichte macht ihm klar, wie dringend finanzielle Unterstützung benötigt wird, um den betroffenen Kindern Hoffnung und Zukunft zu schenken. „Mit jeder Spende und jedem Austausch wächst meine Motivation weiter.“
Mit der Zeit verändert sich Daniels Blick auf den Sport: Persönliche Bestzeiten treten in den Hintergrund. Stattdessen nutzt er Wettkämpfe bewusst als Plattform, um auf die Stiftung KinderHerz aufmerksam zu machen. Neben dem Berlin-Marathon startet er auch bei Triathlon-Veranstaltungen – bei regionalen Rennen wird er inzwischen regelmäßig als KinderHerz-Läufer angekündigt. Oft trägt er dabei einen auffälligen Stiftung KinderHerz-Einteiler, den ein Geschäftspartner gesponsert hat. „Dadurch werde ich bei den Wettkämpfen noch schneller erkannt – und oft sprechen mich Menschen direkt darauf an. Genau solche Gespräche sind für mich sehr wertvoll, weil sie helfen, die wichtige Arbeit der Stiftung KinderHerz sichtbar zu machen.“
Und manchmal geht er noch einen Schritt weiter. Dann steht er in einem auffälligen Krümelmonster-Kostüm an der Startlinie. „Das ist für mich natürlich deutlich anstrengender beim Lauf – aber so ungewöhnlich, dass die Zuschauer stehenbleiben, genauer hinschauen und sehen: Das blaue Monster läuft für die Stiftung KinderHerz“, erzählt er und lacht. Und genau das ist das Ziel: Aufmerksamkeit schaffen, Gespräche anstoßen, Menschen erreichen.
Wie viel möglich ist, zeigt sich besonders bei der Challenge Roth 2025. Die Idee entsteht direkt nach Daniels eigener Teilnahme für die Stiftung KInderHerz im Jahr zuvor: „Kaum war ich im Ziel, habe ich mich gefragt: Wie geht's weiter?“ Er teilt seinen Zieleinlauf in den sozialen Medien und spontan meldet sich seine Bekannte Nina aus der Schweiz: Warum nicht im nächsten Jahr als KinderHerz-Staffel starten? Daniel ist sofort Feuer und Flamme und steht am nächsten Morgen gleich früh in der Warteschlange, um einen der begehrten Startplätze zu sichern – ohne zu wissen, wer am Ende überhaupt Teil der Staffel sein wird.
Doch Schritt für Schritt wachsen aus der Idee immer mehr Aktionen: ein Stand auf der Expo, eine Tombola, Unterstützung aus der KinderHerz-Läufer-Community aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz. „Viele sind auf eigene Kosten angereist, haben geholfen, organisiert, sich eingebracht – einfach, um Teil dieses wunderbaren Gemeinschaftsprojektes zu sein.“ Der Wettkampf selbst endete schließlich mit einem ganz besonderen Moment: „Unser Zieleinlauf wurde von der Weltmeisterin und Roth-Siegerin Laura Philipp begleitet, die uns die Medaille überreichte. Das ist eine der schönen Traditionen in Roth – die Profis stehen nach ihrem eigenen Rennen im Ziel und hängen den Amateurinnen und Amateuren persönlich die Medaillen um.“
Am Ende kommen ausreichend Mittel zusammen, um drei Defibrillatoren für ein bundesweites Förderprojekt der Stiftung KinderHerz zu finanzieren. „In solchen Momenten wird das Engagement wirklich greifbar“, sagt Daniel. „Genau dieser direkte Impact ist für mich eine enorme Motivation, weiterzumachen. Er zeigt, dass sich jeder Kilometer, jede Stunde Einsatz wirklich lohnen und am Ende konkret dazu beitragen können, Leben zu retten.“
Was Daniel besonders bewegt, sind die Menschen, die Gemeinschaft hinter all dem. Die KinderHerz-Läufer sind längst mehr als einzelne Teilnehmende – sie sind ein Netzwerk aus Sportlern, das ein gemeinsames Ziel verbindet. „Es geht nicht darum, wer wie viel beiträgt. Entscheidend ist, dass wir zusammen etwas erreichen, das alleine kaum möglich wäre. Genau dieser Teamgeist macht solche Charity-Projekte so besonders und gibt ihnen eine ganz eigene Energie.“
Auch in Zukunft möchte Daniel vor allem eines: Aufmerksamkeit schaffen. Konkrete Spendenziele setzt er sich bewusst nicht. „Oft entwickelt sich vieles erst im Laufe der Aktionen – und manchmal wird mehr möglich, als man anfangs denkt.“ Sein Wunsch ist vor allem, weiterhin möglichst viele Menschen für die Stiftung KinderHerz zu begeistern und gemeinsam Aufmerksamkeit für die herzkranken Kinder zu schaffen. „Dann ergibt sich alles andere oft ganz von selbst.“
Was ihn antreibt, beschreibt eine Szene beim Berlin-Marathon besonders gut. Bei Kilometer 35 muss er eine Gehpause einlegen. Die Kräfte lassen nach. In diesem Moment ruft ihm eine Zuschauerin zu: „Don’t forget your why!“ Dieser Satz bleibt. „Wenn man weiß, wofür man läuft, trägt einen das auch durch schwierige Momente bis ins Ziel.“ Für Daniel ist genau das der Kern seines Engagements: Sport mit Sinn zu verbinden – und dabei etwas zu bewegen, das bleibt.