Schon als Kind erlebt Tom, wie selbstverständlich Ingrid Fischer ihr Herz für andere öffnet. Während andere Großmütter vielleicht Kuchen backen oder Geschichten vorlesen, organisiert sie Spendenaktionen, hilft bei Benefizveranstaltungen – und nimmt ihre Enkel gleich mit. „Ich erinnere mich noch an unsere allererste Aktion“, erzählt Tom. „Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Oma arbeitete damals in einem Friseursalon in Kiel. Sie und ihr Chef hatten die Idee, einen Tag lang alle Einnahmen an die Stiftung KinderHerz zu spenden. Mein Bruder Mike und ich haben Flyer in der ganzen Stadt verteilt. Oma hat uns damals gefragt, ob wir das für sie machen – und wir sagten: ‚Nein, Oma, das machen wir für die herzkranken Kinder.‘ Das erzählt sie heute noch gern.“
Mittlerweile ist Ingrid Fischer seit fast zwei Jahrzehnten ehrenamtlich für die Stiftung KinderHerz aktiv: Ob auf Weihnachtsmärkten, bei den Oldtimer Classic-Tagen oder beim Charity Dinner im Aqua in Strande – sie ist überall dort, wo Hilfe gebraucht wird. Sie dekoriert Stände, spricht Menschen an, verkauft Blinkeherzen oder bastelt kleine Aufmerksamkeiten, die sie an Kinder verschenkt. Dass dieses Ehrenamt für Ingrid Fischer weit mehr ist als eine Freizeitbeschäftigung, spürt man in jedem Satz ihres Enkels. „Oma ist keine, die einfach zwei Stunden irgendwo steht und dann wieder geht“, sagt Tom. „Sie denkt mit, organisiert, plant. Wenn sie merkt, dass was fehlt – Deko, Tische, Material – dann besorgt sie das eben. Sie will, dass alles funktioniert, weil es ihr wirklich am Herzen liegt.“
Was Tom an seiner Großmutter am meisten beeindruckt? Nicht die vielen Spenden, nicht die unzähligen Aktionen, die sie organisiert. Es ist die Art, wie sie Menschen begegnet. Offen. Mutmachend. „Meine Oma hat dieses Talent, andere anzustecken – und den festen Glauben daran, dass Gutes tun gar nicht kompliziert sein muss“, sagt Tom. „Sie denkt nie in Problemen, immer in Möglichkeiten. Ihr Ehrenamt für die Stiftung KinderHerz ist für sie nicht nur eine Tätigkeit, es ist eine gelebte Haltung. Sie findet immer die richtigen Worte, bringt Menschen zum Lächeln – und zum Spenden. Ihr Motto: Jede Geste zählt. Und jedes Gespräch kann eine Brücke sein.“
Für Tom ist das Ehrenamt seiner Großmutter längst zu einem Teil seines eigenen Lebens geworden. „Als Kind habe ich gar nicht über den Sinn dahinter nachgedacht – ich wusste einfach, dass es wichtig ist. Weil es anderen hilft.“ Er hört ihre Geschichten von den kleinen Patienten, die oft schon direkt nach der Geburt um ihr Leben kämpfen. Deren Herzen viel Unterstützung brauchen, um groß zu werden. Von Eltern, die zwischen Hoffnung und Angst pendeln. Von Ärzten, die mit Forschung und Innovation dafür sorgen, dass aus einer schlimmen Diagnose eine Zukunft wachsen kann. Was genau sie meint, versteht er, als er Jahre später selbst zum ersten Mal eine Kinderherzstation besucht und sieht, welche Kraft in diesem Engagement steckt. „Da merkt man plötzlich, worum es wirklich geht – und wie wichtig es ist“, sagt er leise. Heute unterstützt er die Stiftung bei Veranstaltungen in Berlin, hilft beim Spendensammeln, organisiert kleine Aktionen und will künftig noch stärker eigene Projekte auf die Beine stellen. „Ich bin eher ein zurückhaltender Typ, aber wenn es um die Stiftung geht, ist das egal. Weil es um etwas wirklich Wichtiges geht.“
Das gemeinsame Engagement schweißt zusammen. „Es ist ein schönes Gefühl, dass uns dieses Herzensanliegen über Generationen hinweg verbindet“, sagt Tom. „Wenn ich zu Besuch bin, ist das immer eines der ersten Gesprächsthemen: Was gibt’s Neues bei der Stiftung? Was steht als Nächstes an?“ Manchmal überlegt er, ob seine Großmutter stolz auf ihn ist. Er formuliert es vorsichtig, fast schüchtern – aber mit einem Lächeln, das die Antwort längst kennt. „Ich glaube schon“, sagt er. Auch wenn das in ihrer norddeutschen Art nicht unbedingt ausgesprochen wird. „Oma sagt sowas nicht direkt“, schmunzelt Tom. „Aber ich weiß, dass sie froh ist, wenn sie sieht, dass wir ihre Werte teilen: Wenn man helfen kann, dann sollte man das tun. So einfach ist das.“