Im Berufsleben dreht sich für den Aachener Herzchirurgen alles um Kinder mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern. Operationen, Forschung, Lehre – Tage, die selten früh enden und in denen jede Entscheidung Gewicht hat. „Ich habe mich gefragt: Was kann ich darüber hinaus tun? Nicht als Arzt im OP, nicht im Labor – sondern sichtbar, öffentlich, als Mensch.“ Die Antwort lag für ihn nahe: der Halbmarathon in Berlin. Denn Laufen gehört für Prof. André Rüffer seit vielen Jahren einfach dazu. Ein Ausgleich nach langen Tagen in Klinik und Forschung. Zeit zum Durchatmen, zum Sortieren von Gedanken. „Wenn ich ohnehin schon regelmäßig laufe, warum nicht für etwas Sinnvolles?“ Nicht als heroischer Kraftakt, sondern als bewusst eingesetztes Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen – für die Stiftung KinderHerz und für ein Thema, das in der Öffentlichkeit oft zu wenig wahrgenommen wird.
Denn viele Forschungsprojekte in der Kinderherzmedizin wären ohne private Förderung nicht realisierbar. Öffentliche Mittel reichen oft nicht aus, um neue Verfahren zu entwickeln oder Behandlungen weiter zu verbessern. „Ohne Mitstreiter wie die Stiftung KinderHerz gäbe es viele medizinische Fortschritte schlicht nicht. Wir sind in der Forschung auf diese Unterstützung angewiesen.“ Sein Lauf wird so zu einer Form von Übersetzungsarbeit: komplexe Medizin sichtbar machen, Forschung greifbar machen, die Schaulustigen an der Strecke erreichen, die sonst nie mit diesem Thema in Berührung kämen. Neugierige Blicke auf das Trikot der Stiftung, Gespräche, Nachfragen. „Ich wünsche mir einfach, dass mehr Menschen verstehen, wie wichtig diese Arbeit ist. Dass Aufmerksamkeit und Reichweite entsteht – nicht nur auf der Straße, sondern auch über soziale Medien“, sagt er mit Nachdruck. „Wenn jemand mit großer Community unsere Aktion aufgreifen und teilen würde – sagen wir mit 100.000 Followern – dann könnte das unglaublich viel bewirken und Spenden generieren.“
Besonders berührend wird der Lauf durch eine zweite Person an seiner Seite: seinen Vater. 84 Jahre alt, mit einem Herzfehler geboren, dreimal am Herzen operiert – und heute so fit, dass er beim Halbmarathon mit auf der Strecke ist. Für Prof. Rüffer ist das weit mehr als eine sportliche Randnotiz, sondern ein Sinnbild dafür, was Kinderherzmedizin erreichen kann: Kinder mit Herzfehlern so zu behandeln, dass sie ein langes, gutes, erfülltes Leben führen können. „Genau davon träumen wir in der Kinderherzchirurgie“, sagt er. „Dass aus kleinen Patientinnen und Patienten Erwachsene werden – und die irgendwann vielleicht sogar mit über 80 Jahren noch an einem Marathon teilnehmen.“ Der gemeinsame Lauf ist für ihn deshalb auch ein sehr persönliches Zeichen: Als Arzt weiß er, wie viel noch zu tun ist – als Sohn sieht er, was alles möglich ist. Ihm geht es nicht um Rekorde, sondern um Wirkung. Und mit dem Trikot der Stiftung KinderHerz auf der Strecke macht er sichtbar, was sonst oft im Hintergrund bleibt: Menschen, die sich einsetzen, Forschung, die Leben verändert, und kleine Herzen, für die jeder Schritt zählt.