Als Fatoumata Sanneh von der Erkrankung ihrer Cousine Sally erfährt, weiß sie, dass sie etwas tun muss. Als Krankenschwester im Sankt-Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt kennt sie die Möglichkeiten moderner Medizin – sie erlebt täglich, was hier selbstverständlich ist: Diagnostik, Therapie, spezialisierte Operationen. Und genau dieses Wissen macht es ihr unmöglich, die Situation ihrer kleinen Cousine in Gambia hinzunehmen.
In ihrer Not wendet sich Fatoumata an den Ärztlichen Direktor Dr. Andreas Pape. Zunächst geht es um eine medizinische Einschätzung, um Orientierung. Dr. Pape hört zu. Fragt nach. Schaut sich die Befunde an. Und trifft dann eine Entscheidung, die weit über das Medizinische hinausgeht. „Es gibt Fälle, die lassen einen menschlich nicht los“, sagt er. „Das hier war so einer.“
Was ihn beschäftigt, ist weniger die Komplexität der Erkrankung als die Ungleichheit dahinter. Dass eine behandelbare Diagnose für ein kleines Mädchen zur akuten Lebensgefahr wird, weil in ihrem Heimatland der Zugang zu medizinischer Versorgung fehlt. „Medizinisch ist das lösbar“, sagt er. „Die eigentliche Frage ist: Wie schaffen wir es, die Behandlung möglich zu machen?“
Die Lösung liegt auf der Hand: Sally nach Deutschland bringen, damit sie hier operiert werden kann. Doch dahinter verbergen sich unzählige Herausforderungen: Bürokratische Hürden, Visumsfragen, Klinikaufnahme, Finanzierung – wie lässt sich all das innerhalb weniger Wochen organisieren, in denen Sally Herz und ihr kleiner Körper immer schwächer werden und jede Verzögerung lebensbedrohlich ist?
Weil er weiß, dass die Zeit drängt, wird Dr. Andreas Pape zum Treiber. Er beginnt zu organisieren. Er telefoniert, bringt Menschen zusammen, mobilisiert, sucht Lösungen. Mit unermüdlichem Durchhaltevermögen initiiert er Gespräche, prüft Optionen, knüpft Kontakte zu wichtigen Akteuren, holt engagierte Partner wie die Stiftung KinderHerz ins Boot, die das Projekt entscheidend voranbringen. „Die Stiftung ist das Rückgrat dieses Projekts“, betont Dr. Pape. „Ihre Erfahrung, ihre Kontakte und ihre Struktur haben den Weg geebnet, Sally zu retten.“
Jeder kleine Erfolg – ein zugesagtes Visum, die bestätigte Aufnahme in der Klinik – ist ein Lichtblick auf einer Achterbahnfahrt gegen die Zeit und für Sally Leben. „Den Tag kurz vor Weihnachten, an dem wir erfahren haben, dass das Herzzentrum in Duisburg die Operation durchführen wird, werde ich nie mehr vergessen“, sagt Dr. Pape. Auch Fatoumata Sanneh erinnert sich an den emotionalen Moment: „Als wir die Zusage hatten und wussten, dass Sally nach Deutschland kommen kann, war das wie ein kleiner Sieg gegen das Schicksal – ein Hoffnungsschimmer in einer sehr dunklen Zeit.“
Die Operation ist aber nur ein Schritt auf Sallys Weg. „Unsere Verantwortung endet nicht mit dem Eingriff“, sagt Dr. Pape. „Ihre Nachsorge und langfristige Betreuung sind mindestens genauso wichtig.“ Nach dem Eingriff wird Sally Zeit brauchen. Zeit, um sich zu erholen. Zeit, um wieder Kraft zu schöpfen. Stabilität zu gewinnen. Doch was danach kommt, ist ebenso entscheidend – denn es bestimmt, ob das kleine Mädchen wirklich eine Zukunft hat. Fatoumata Sanneh denkt dabei vor allem an die Zeit nach der Rückkehr: Denn wenn Sally wieder nach Hause reist, kehrt sie in ein Gesundheitssystem zurück, das eine kontinuierliche medizinische Nachsorge und Begleitung nur eingeschränkt leisten kann.
„Ich kenne die Situation in Gambia. Ich weiß, wie schwer es dort ist, an Medikamente zu kommen oder regelmäßige Kontrollen zu organisieren. Genau deshalb dürfen wir Sally nicht allein lassen“, bekräftigt Sanneh. Auch für Dr. Pape ist das ein zentraler Punkt: „Wir können Sally hier in Deutschland auf höchstem Niveau behandeln. Aber wenn die Anschlussversorgung vor Ort nicht gesichert ist, verlieren wir viel von dem, was wir erreicht haben: Jede Lücke in der medizinischen Versorgung kann für sie lebensbedrohlich sein.“ Deshalb steht für ihn fest: „Wir müssen weiterdenken. Eine Operation allein reicht nicht – es geht darum, dieses Kind langfristig zu begleiten.“
Damit dieses Versprechen eingelöst werden kann, braucht es Unterstützung. Das Spendenprojekt „Wir retten Sally“ der Stiftung KinderHerz ermöglicht nicht nur die Operation und die Unterbringung von Sally in Deutschland, sondern auch das Danach: Nachsorge, Medikamente, medizinische Begleitung in Gambia. Rund 50.000 Euro werden benötigt. Eine Summe, die groß wirkt – und klein ist im Vergleich zu dem, was sie bedeutet: ein Leben. In Deutschland ist medizinische Versorgung für Kinder mit Herzfehlern selbstverständlich – Erkrankungen werden behandelt, die Nachsorge ist gesichert, und keine Familie muss allein mit dieser Last kämpfen. Für Sally dagegen kann Hilfe nur durch das Zusammenspiel engagierter Menschen Wirklichkeit werden. „Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe, wo wir helfen können, nicht wegzuschauen“, sagt Dr. Pape.
Sallys Weg zeigt, wie wertvoll Solidarität ist – wie koordinierte Hilfe, Engagement und Mitgefühl ein Leben retten und einem kleinen Herz eine echte Perspektive schenken. „Wir verändern nicht die ganze Welt“, sagt Dr. Andreas Pape. „Aber für dieses eine Kind verändert sich alles – ihr Herz, ihre Zukunft, ihr Leben.“ Fatoumata Sanneh ergänzt: „Jedes kleine Herz verdient eine Chance. Dass wir Sally diese Chance geben können, zeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich stark machen und zusammenhalten – über Länder und Grenzen hinweg.“