„Ich freue mich wahnsinnig darauf.“ Wenn Prof. Daniel Biermann über seinen Wechsel spricht, klingt das nicht nach Wehmut, nicht nach Abschied, sondern nach Aufbruch: Nach 24 Jahren am UKE beginnt für ihn als Ärztlicher Schwerpunktleiter für Kinderherzchirurgie am Universitätsklinikum Köln ein neues Kapitel. Mit der neuen Aufgabe ist auch seine Berufung an den Lehrstuhl für Chirurgie angeborener Herzfehler an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln verbunden.
Dass ihm die Ernennung zum Professor durchaus etwas bedeutet, daraus macht er keinen Hehl. „Da bin ich ehrlich: Das ist schon was ganz Großes. Manchmal muss ich mich kneifen, um zu realisieren: Das hast du jetzt echt geschafft.“ Viel wichtiger als der Titel ist für ihn allerdings die Möglichkeit, in Köln etwas weiterzuentwickeln: Klinik, Forschung und Lehre noch enger zu verzahnen, neue Strukturen aufzubauen und seine Erfahrung weiterzugeben.
Vieles nimmt er aus Hamburg mit. Dort hat Daniel Biermann als junger Mediziner begonnen, hier hat er promoviert, seine chirurgische und wissenschaftliche Expertise entwickelt. 24 Jahre am UKE haben aber nicht nur seinen beruflichen Weg entscheidend geprägt, sondern auch seine Sicht darauf, wie gute Medizin und gute Forschung funktionieren. „Früher war ich eher ein Einzelkämpfer“, reflektiert er. Heute sieht er seine Aufgabe stärker darin, Menschen zusammenzubringen und Verantwortung zu teilen. Genau dieses Verständnis möchte er auch in Köln weiterleben.
Und auch eine wissenschaftliche Vision nimmt der Kinderherzchirurg mit in die Domstadt: den Fontantunnel. Das innovative Forschungsprojekt, das die Stiftung KinderHerz in Hamburg und Aachen bereits maßgeblich fördert, bekommt nun in Köln ein weiteres Standbein – und damit neue Perspektiven, um für Kinder mit nur einer funktionierenden Herzkammer langfristig eine bessere Lösung für den Blutkreislauf zu entwickeln.
„Der menschliche Körper kann vieles selbst reparieren, aber keine fehlenden Organe ersetzen. Da müssen wir nachhelfen“, sagt Prof. Biermann. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team forscht er seit 15 Jahren an einer Idee, die genau dort ansetzt: ein Tunnel aus lebendem Herzmuskelgewebe, der bei Kindern mit einem univentrikulären Herzen den Blutfluss zur Lunge aktiv unterstützen könnte.
Was wie eine Idee aus der Zukunft klingt, ist im Labor schon Realität: Aus menschlichen Stammzellen wurden kleine Gewebeschläuche hergestellt, die wie eine Herzkammer pulsieren und elektrische Signale weitergeben. Doch Prof. Biermann weiß: Von einem schlagenden Gewebe im Inkubator bis zu einem funktionierenden Implantat ist es noch ein weiter Weg.
Mit Köln kommt nun ein dritter Standort hinzu, der das Fontantunnel-Projekt um wichtige Kompetenzen erweitert. Für Prof. Biermann liegt genau darin die große Chance: „An drei Standorten lassen sich ganz andere Synergien nutzen.“ In Hamburg liegt die Expertise unter anderem in der Herstellung und Differenzierung von Herzmuskelzellen und im Tissue Engineering. Aachen arbeitet an der Entwicklung einer geeigneten Klappe für den Tunnel und Köln bringt nun die Erfahrung mit Bioreaktoren und der mechanischen Stimulation von Gewebe ein. „Wenn wir das Wissen und die Erfahrungen der drei Standorte verknüpfen, kann daraus etwas entstehen, das keiner allein entwickeln könnte.“
Er denkt dabei durchaus groß. „In diesem engen Zusammenspiel sollten wir eigentlich in der Lage sein, ein funktionierendes Produkt zu entwickeln, das innerhalb des nächsten Jahrzehnts dann auch den Patienten zugute kommt.“ Gleichzeitig weiß er, dass Forschung ihren eigenen Weg geht. Noch sind wichtige Fragen offen, und bis aus dem Forschungsansatz eine Behandlung werden kann, sind weitere Schritte notwendig. Doch bei aller wissenschaftlichen Vorsicht verliert er nie aus dem Blick, worauf es am Ende ankommt: auf die Kinder, für die diese Forschung neue Perspektiven schaffen soll.
Denn wenn Prof. Daniel Biermann über den Fontantunnel spricht, wird schnell deutlich, dass ihn nicht allein die wissenschaftliche Herausforderung antreibt. Hinter den Zellen, Geweben und Bioreaktoren stehen Kinder, die heute mit einer besonderen Kreislaufsituation leben. „Unsere Vision ist es, die wenigen Patienten, die uns aber sehr viel beschäftigen, in eine bessere Zukunft zu führen.“ Das bedeutet für ihn vor allem: weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Folgeerkrankungen und möglichst weniger Transplantationen. Es geht um mehr Belastbarkeit und mehr Selbstständigkeit.
„Wir wollen nicht nur, dass diese Kinder überleben“, sagt er mit Nachdruck. „Wir wollen, dass sie möglichst viel von ihrem Leben haben.“ Das ist das Ziel, für das sich sein medizinischer und sein wissenschaftlicher Weg jetzt noch stärker vereinen: des Chirurgen, den die Möglichkeit fasziniert, unmittelbar etwas zu verändern. Des Wissenschaftlers, der sich nicht mit dem Erreichten zufriedengibt. Und des Teamplayers, der weiß, dass die großen Fragen der medizinischen Forschung nicht allein zu lösen sind. „Think big – wenn wir das nicht aus den Augen verlieren, sind wir auf dem richtigen Weg, damit Kinder mit einem univentrikulären Herzen eines Tages nicht nur länger, sondern auch besser leben können.“